Text: joliemiller
Punkt 1:
Alles geht vorbei. Ob jetzt das Jahr 2007 oder 2008. Irgendwann hat alles ein Ende. Gut, die Wurst hat zwei, aber davon abgesehen ist alles irgendwann und irgendwie zu Ende. Jedes Jahr beispielsweise. Warum also jedes Jahr wieder dasselbe feiern, wo doch allein der Wechsel von einem Tag auf den anderen nichts ändert? Zumindest ich ändere mich nicht über Nacht. Und damit zum zweiten Punkt.
Punkt 2:
Es weckt falsche Hoffnungen. Jedes Mal denke ich mir: Dieses Jahr wird tausendmal toller, besser, schöner als das vorige. Wie bereits in 1.) dargestellt, ist das Humbug. Und enttäuschte Hoffnungen sind schlimmer als Enttäuschungen, die ich erwarte. Ganz einfach. Wenn ich auf eine Enttäuschung vorbereitet bin, kann ich auch damit umgehen. Wenn sich eine Hoffnung nicht erfüllt, bin ich am Boden zerstört. Und - Überraschung! - meine Hoffnungen werden eher selten erfüllt.
Punkt 3:
Alkohol verändert den Charakter. Zumindest meinen. Oder ist es normal, dass ich mich nicht mehr daran erinnere, Dinge gesagt bzw. getan zu haben, die ich im nüchternen Zustand nie sagen bzw. tun würde? Eben. Alkohol macht mich zu einem ehrlichen Menschen. Leider so schonungslos ehrlich, dass es schon mal ins verletzende/beleidgende/... (Liste zu erweitern und Zutreffendes bitte anzukreuzen) gehen kann.
Punkt 4:
Der Morgen danach. Ich wache auf. Ich erinnere mich an eher wenig. Langsam werden die Schatten wieder zu Gesichtern und die Gesichter ergeben ein Bild und das Bild ergibt eine Geschichte. Und spätestens das ist der Punkt, an dem ich mir jedes Jahr aufs Neue denke:
Herzlichen Glückwunsch! Sie haben den Rekord von letztem Jahr gebrochen. Sie haben innerhalb von nur sechs Stunden alle guten Vorsätze gebrochen! In den nächsten sechs Wochen dürfen Sie alle Menschen aufsuchen, die Sie in den ersten sechs Stunden des neuen Jahres belästigt haben und dürfen sich bei Ihnen entschuldigen!
In diesem Sinne: Prosit Neujahr!
(Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/414864)
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